Motiv FreiRaum
 

Die hundert Geister (und Hände) der Werkleute

Es ist schon halb drei nachmittags, und in knapp zwei Stunden werden die zahlreichen Gäste hier sein: NETI ist zu einer wichtigen Adresse für viele Netphener geworden, die nicht so viel im Portemonnaie haben.

Ein Plakat aus der Anfangszeit
Doch Hektik kommt nicht auf, man arbeitet gut zusammen. Die meisten ehrenamtlich Engagierten hier haben eine geistige Behinderung, andere nicht. Manche waren von Anfang an dabei und haben, wie Alexandra Schneider und Erika Schmidt, die Idee sogar mitentwickelt. Manche sind aber auch erst vor kurzem dazu gestoßen, kamen zunächst als Besucher hierher und waren von der Atmosphäre so angesteckt, dass sie nun „auf der anderen Seite“ der Tische stehen und selbst mithelfen. Doch eines ist klar, so betont Lebenshilfe-Mitarbeiter und Initiator von NETI Armin Herzberger, und seine Kollegin Yvonne Veyhl stimmt zu: Die geistig behinderten Helfer arbeiten hier genauso selbstständig wie ihre nichtbehinderten Mitstreiter. Einige haben richtig Organisationstalent und übernehmen die Planung der Arbeit.
Engagiert und konzentriert
Denn das ist bei dem Umfang, den das Angebot mittlerweile angenommen hat, auch nötig. NETI passte zunächst noch in den kleinen Empfangsraum des Lebenshilfe Centers, das der Landesverband NRW in der Lahnstraße unterhält.* Doch seit einiger Zeit findet er im Foyer der benachbarten Georg-Heimann-Halle statt. NETI wächst, und so ist Arbeitsteilung angesagt: Ein Teil des Teams kocht schon mal Kaffee und bereitet die Tische vor, ein anderer schwingt sich in den VW-Bus: NETI bekommt sein „Material“ von seinem Kooperationspartner, der Siegener Tafel, und dort müssen die Lebensmittel zunächst abgeholt werden. Hinfahren, einladen, ausladen, auspacken, Lebensmittel vorsortieren und arrangieren: Das ist schnell gemacht, weil hier alle mit Konzentration und viel Schwung bei der Sache sind. Als letzter Akt der Vorbereitung wird der CD-Spieler angeworfen und die zwei gehbehinderten Damen besetzen noch die Kasse - und schon kommen die ersten Netphener herein.
Kaffeetrinken in der Runde
Jeder zahlt seinen winzigen Obolus, wählt seine Lebensmittel und lässt es sich im Anschluss noch bei Kaffee und Kuchen gut gehen. Der Raum ist bald erfüllt von Gesprächen, da geht noch mal die Tür auf und es kommt ein ganzer Schwung Leute herein: Der Arbeitstag in der nahe gelegenen Werkstatt für behinderte Menschen ist beendet, und da geht man natürlich noch mal eben bei NETI vorbei. Einige kommen als Gäste, aber einige - nach einem harten Tag! - auch als „zweite Schicht“ hinter den Ausgabetischen und Kaffeemaschinen. Und nun wird es erst richtig bunt: Der Werkstattrat disputiert mit dem Anarchisten aus dem betreuten Wohnen; die Dame mit der Mini-Rente erzählt von ihren Enkeln, und an den Kleinen von der jungen Dame aus Asien kommt keiner ohne ein Zwinkern vorbei.
Auch heute hat NETI es wieder einmal geschafft, Menschen satter zu machen.
Und was das für die Beteiligten alles heißen kann, lesen Sie hier.
 
 
 
 

Berufsvorbereitendes Soziales Jahr bei der Lebenshilfe!
Eine Orientierung zwischen Schule, Ausbildung und Beruf

www.bsj-lebenshilfe.de

 
 
* Inzwischen ist das Lebenshilfe Center in die Siegener Innenstadt umgezogen.
Doch NETI bleibt, wo er verwurzelt ist: in Netphen.
 
 
 
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